Definition

Animismus ist eine, in Reinform ausschließlich bei Jäger- und Sammler-Kulturen verbreitete Religion indigener Völker. Der Animismus stellt sich somit in jeder Kultur anders dar. 

 

Für Animisten ist die spirituelle Welt die eigentliche Realität in der sie leben. Sie betrachten jeden auch noch so kleinen Teil der Welt als einen beseelten, Ehrfurcht gebietenden, Kosmos.

wesentliche Merkmale

 „Heilig“ ist die Natur in allen Ausprägungen. In jedem Stein, jeder Pflanze, jedem Tier und in jedem Menschen aber auch an jedem Ort, entwickelt Lebenskraft einen eigenen Willen, der natürlichen Regeln folgt. Die Natur zum Beispiel drückt sich durch Naturereignisse aus.

 

Götter gibt es bei den Animisten nicht. Es gibt jedoch unter den geistlichen Wesen eines, welches man als das "Höchste Wesen" bezeichnet. Dieses hat die Welt geschaffen (ähnlich der christlichen Vorstellung von Gott) und lebte eine zeitlang mit den Menschen zusammen, bevor es sich aufgrund der Verderbtheit der Menschen in den Himmel zurückzog. Ein Kontakt zu diesem Höchsten Wesen findet niemals statt. Es wird zwar als Schöpfer verehrt, jedoch betet man nicht zu ihm und opfert ihm auch nicht. Deshalb sucht man auch sakrale Bauten in animistischen Kulturen vergeblich.

 

Der Kosmos existiert bei den Animisten in zwei Formen: materielle Welt und geistartige Welt. Es wird jedoch nicht zwischen Natürlichem und Übernatürlichem unterschieden. Alles, was im Kosmos existiert und geschieht, wird als natürlich und real wahrgenommen. Alles existiert in zwei identischen Formen: einer sichtbaren, materiellen, und einer unsichtbaren, geistartigen Form. Diese bildet sozusagen eine Doppelwelt zur materiellen Welt.

 

Der Mensch besteht aus einem Körper und mindestens einer Seele. Diese Seelen leben (entgegen dem christlichen Glauben) nicht in seinem Körper sondern in seiner Nähe. Sie sollen den Körper beschützen und sind wie der materielle Körper mit Emotionalität, Willen und Denkvermögen ausgestattet.

Mana

Mana ist die Kraft der Seele und deren Wirkung.

In fast allen animistischen Religionen gibt es das "außerordentlich Wirkungsvolle", das Vorgängen, Dingen und Wesen eigen ist. In der Ethnologie wird diese Kraft als Mana bezeichnet. Mana kann sich in Menschen als Autorität, Charisma oder Lebenskraft äußern. Es wohnt zudem auch in Dingen und Wesen, kann genutzt werden, aber auch verloren gehen. Rituale, Kontakt zu den Ahnen und das Halten von Tabus vermitteln Mana. Nahrung enthält Mana und gibt dieses an den Menschen ab, wenn er isst. Mana existiert also nicht nur in religiösen Zusammenhängen sondern in nahezu allen alltäglichen Begebenheiten. Hier wird deutlich, wie sehr der Animismus das ganze Leben des Menschen durchzieht.

Es gibt gutes und böses Mana, je nachdem, ob es Wirkungen hat, die als nützlich oder schädlich eingestuft werden. Amulette besitzen Mana und sind dazu da, das Böse fern zu halten. Talismane besitzen ebenfalls Mana, sollen hingegen das Gute herbei holen. Unerklärliche Vorgänge (Wunder) werden oft auf die Wirkung von Mana zurückgeführt.

Toten- und Ahnenkult

Für die Seelen von Verstorbenen sind dessen lebende Verwandte verantwortlich. Sie haben die Aufgabe für die Seele zu sorgen. Dabei ist der wichtigste Punkt, den Verstorbenen und dessen Seele nicht zu vergessen. Denn dann ist sie in einem Zustand der Unsterblichkeit. Das ist der Grund warum die Familie in animistischen Kulturen einen sehr hohen Stellenwert hat. Nur durch sie, kann die eigene Seele unsterblich sein.

 

Wird eine Seele vergessen, verliert sie den Zustand der Unsterblichkeit. Sie wird zum Geist und kann Angst und Schrecken verbrieten.

 

Die Verehrung der Toten und deren Gräber hat eine starke Bedeutung, denn die Ahnen können der Gemeinschaft helfen oder ihr schaden. Die Geisterwelt wird als Erklärung für Naturphänomene, Krankheiten usw. herangezogen.

Medien und Schamanen

Medien

Sie existieren in animistischen Kulturen, die einem Ahnenkult folgen. Sie dienen als Mittler zwischen den lebenden Menschen und gutartigen Geistwesen (den Seelen von Verstorbenen). Da es (wie unter Toten- und Ahnenkult) eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen den lebenden Menschen und den Geistwesen gibt, können diese Geister sehr direkt um Hilfe gebeten werden. 

 

Ein Medium kann auch im Wachzustand (im Gegensatz zum Schamanen) Geistwesen sehen und mit ihnen sprechen. Es wird von Ahnengeistern besucht, es wird also "besessen".

 

Ein Medium würde nie Kontakt mit einem bösartigen Geistwesen aufnehmen.

 

Schamanen

Sie treten in animistischen Kulturen auf, die keinen Ahnenkult betreiben. Sie dienen als Mittler von Wissen aus dem Jenseits, welches im Diesseits in Krisensituationen zur Anwendung kommt. Dieses Wissen erhält der Schamane mit Hilfe seiner sogenannten Hilfsgeister. Er ist Priester und Arzt zugleich und fungiert als Ratgeber in allen Lebenslagen. 

 

Um an die Informationen seiner Hilfsgeister zu gelangen, versetzt sich der Schamane in Ekstase und tritt so in das Jenseits ein.

 

Medium vs. Schamane

das Medium wird „besessen“ –> ein jenseitiges Wesen „besucht“ das Medium

der Schamane gerät in Ekstase –> seine Seele „besucht“ die jenseitige Welt

Verbindung mit anderen Religionen

Im Kontakt mit anderen Kulturen und Religionen verbinden sich oft animistische mit anderen religiösen Glaubenssystemen zu synkretistischen Religionen.

  • "Volksislam"
  • "Volkskatholizismus"
  • "diamantenes Fahrzeug" (Bugghismus)
  • tantrischer Zweig (Hinduismus)
  • "Candomblé" (die vorherrschende Religion in einigen Gebieten Brasiliens)
  • "Santería" (auf Kuba)

Hier verschmelzen katholische Heilige mit alten afrikanischen Göttern.

  •  "Shintōismus" (Japan)

Er weist mit der Vielzahl seiner Göttern noch animistische Züge auf.

 

Doch auch in der sogenannten aufgeklärten westlichen Welt finden sich animistische Spuren. Sie äußern sich in Aberglauben (z.B. das Vermeiden der Zahl 13, die Angst vor der schwarzen Katze, ...).