Definition

Islām ist arabisch und bedeutet Unterwerfung/ völlige Hingabe. So kann man auch die Religion bezeichnen. Anhänger des Islam, sogenannte Muslime, sind Menschen, die sich ihrem Gott völlig unterwerfen. Der Islam existiert erst seit ca. 1400 Jahren und ist somit die jüngste der Weltreligionen. Mit ca. 1.2 Mio Anhängern ist er jedoch nach dem Christentum die zweitgrößte Religionsgemeinschaft der Welt.

wesentliche Merkmale

Im Islam unterwirft man sich Allah (übersetzt: der einzige Gott). Die Gesetze und Glaubensätze des Islam sind im Koran niedergeschrieben. An Gott zu glauben bedeutet für Muslime, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen, seine Allmacht, Schöpferkraft und Herrschaft anzuerkennen und ihm Dankbarkeit zu erweisen.

 

Glaubensgrundsätze

Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel: den Glauben an

  • Allah
  • seine Engel
  • seine Offenbarung 
  • seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und Mohammed
  • den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod
  • die Vorherbestimmung

Erwähnt werden diese Glaubensartikel unter anderem im Koran (z. B. Sure 4, Vers 136):

"Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und an die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt."

 

Jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes wird abgelehnt. 

 

Neben der Eigenverantwortung steht die Verantwortung für andere:

Al-amr bi'l ma'ruf wa n-nahy 'an al-munkar

Jeder Muslim ist verpflichtet, zu "gebieten, was recht ist" und zu "verbieten, was verwerflich ist"

die fünf Säulen des Islam

Die fünf "Säulen" des Islam sind die Grundpflichten, die jeder Muslim zu erfüllen hat:

  1. Schahada (islamisches Glaubensbekenntnis)
  2. Salat (fünfmaliges Gebet)
  3. Zakat (Almosensteuer)
  4. Saum (Fasten im Ramadan)
  5. Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka)

1.Schahada

aschhadu an lā ilāha illā 'llāh wa-aschhadu anna Muhammadan rasūlullāh

ašhadu an lā ilāha illā 'llāh, wa-ašhadu anna muḥammadan rasūlu 'llāh

 

Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.


Mit dieser aus zwei Teilen bestehenden Formel bekennt sich der Muslim eindeutig zum strengen Monotheismus, zu Mohammeds prophetischer Sendung und zu dessen Offenbarung, dem Koran, und somit zum Islam selbst. Wer das Glaubensbekenntnis bei vollem Bewusstsein vor zwei Zeugen spricht, gilt als Muslim.

 

Diese Formel wird ebenfalls fünf mal am Tag vom Muezzin beim Adhan vom Minarett gerufen, um die Muslime zum rituellen Pflichtgebet zu rufen.

 

Schiiten fügen in der Regel noch folgenden Satz hinzu:

allāhumma salli alā muhammadin wa-āli muhammad

allāhumma ṣalli ʿalā muḥammadin wa-āli muḥammad  

 

O Gott, segne Mohammed und seine Familie.

 

2.Salat

Das rituelle Gebet soll fünf mal am Tag absolviert werden, vor dem Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und bei Einbruch der Nacht. Vor jedem dieser Gebete sind eine Ankündigung durch den Gebetsruf und eine rituelle Waschung verpflichtend. Ebenso soll der Muslim sich vor dem Gebet bewusst machen, dass er das Gebet nicht aus Routine, sondern aus der Absicht, Gott zu dienen, vollzieht. Um in den für das Gebet notwendigen Weihezustand einzutreten folgt die Formel "Gott ist größer (als alles andere)" (All ā hu akbar). Im Stehen werden eine Reihe weiterer Formeln und die erste Sure des Koran rezitiert. Es folgen mehrere von verschiedenen Formeln begleitete Niederwerfungen in die Gebetsrichtung, welche zur Kaaba in Mekka führt. Mit einigen weiteren Formeln findet das Gebet seinen Abschluss. Das Gebet kann an jedem rituell reinen Ort, eventuell auf einem Gebetsteppich, vollzogen werden, idealerweise jedoch in der Moschee. Am Freitag wird das Gebet am Mittag durch ein für Männer verpflichtendes und für Frauen empfohlenes Gemeinschaftsgebet  (Freitagsgebet) in der Moschee ersetzt, welches von einer Predigt begleitet wird.

 

Als Gebetshilfe kann ähnlich dem Rosenkranz bei den Christen eine sogenannte Misbaha genutzt werden. Durch die mit 33 oder 99 Perlen versehene Gebetsschnur können der Lobpreis Gottes, Koranverse oder andere Gebete meditiert werden.

 

Wer die Gebete vorsätzlich versäumt, kann seinen Status als gläubiger Muslim verlieren.

 

3.Zakat

Die Almosensteuer ist die verpflichtende, von jedem psychisch gesunden, freien, erwachsenen und finanziell dazu fähigen Muslim zu zahlende Steuer. Sie dient der finanziellen Beihilfe von Armen, Sklaven, Schuldnern und Reisenden sowie derer, die im Einsatz "auf dem Wege Gottes" sind. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Agrar) zwischen 2,5 und 10 Prozent ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen).

Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zugute kommen.

 

4.Saum

Das Fasten findet alljährlich im islamischen Monat Ramadan, dem 9. Monat des islamischen Jahres, statt. Der islamische Kalender verschiebt sich jedes Jahr im Vergleich zum gregorianischen Kalender um elf Tage. Gefastet wird 30 Tage lang, von Beginn der Morgendämmerung bis zum vollendeten Sonnenuntergang. In dieser Zeit wird nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und Enthaltsamkeit im Verhalten geübt. Erst nach Einbruch der Dunkelheit trifft man sich zum gemeinsamen Essen.

 

Muslime brechen das Fasten gerne mit einer Dattel und einem Glas Milch, wie dies der Prophet getan haben soll. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens beendet.

 

5.Haddsch

Die im letzten Mondmonat Dhu l-hiddscha (Wallfahrtsmonat) stattfindende Pilgerfahrt nach Mekka soll jeder Muslim, sofern möglich, mindestens einmal in seinem Leben antreten, um dort unter anderem die Kaaba sieben Mal zu umschreiten.

 

 


Untergruppen des Islam

Der Islam ist in mehrere Richtungen gespalten.

  • Suniten (etwa 85%)
  • Schiiten
  • Charidschiten
  • Sufismus

heilige Schriften

Der Islam ist eine Buchreligion. Für Muslime ist der Koran, wie er durch den Propheten Mohammed übermittelt wurde, das wahre Wort Gottes. Er stimmt wörtlich mit dem Urkoran (einer im Himmel wohl verwahrten Tafel) überein und ist frei von menschlichen Einflüssen.

 

Die Muslime behandeln den Koran mit Respekt. Der Koran durfte lange Zeit nicht aus dem arabischen übersetzt werden.

 

Gläubige Muslime rezitieren den Koran. Schon Kinder lernen den Koran auswendig in Koranschulen. Dort wird der Koran in der Originalsprache abgeschrieben. Wer den Koran rezitieren darf, fühlt sich schon allein dadurch ausgezeichnet, selbst wenn er das Gesagte im Wortlaut nicht versteht.

 

Der Koran darf nur im rituellen Zustand berührt werden. Auch der Ort an dem er abgelegt wird, muss rein sein. Er hat nach muslimischer Vorstellung eine besondere Segenskraft. Deshalb benutzt man auch einzelne Verse zur Abwehr von Krankheiten und anderen Übeln auf Amuletten.

heilige Stätten

Im Islam gilt eine Vielzahl von Stätten als heilig, wobei dreien eine besondere Bedeutung zukommt:

  • die Stadt Mekka gilt als heiligster Ort für Muslime. Sie ist Geburtsort des Propheten Mohammed mit der Kaaba als zentralem Heiligtum des Islam, das die Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt
  • Medina, nördlich von Mekka gelegen, ist der Ort, an dem der Islam erste politische Wirkungskraft entfaltete
  • Jerusalem, das nach muslimischer Überlieferung die erste Qibla-Richtung vorgab und der Ort ist, den die Muslime als geographische Position der im Koran (Sure 17, „Die nächtliche Reise“) erwähnten al-Aqsa-Moschee definiert haben.

Daneben gibt es eine große Zahl an Wallfahrtsorten unterschiedlicher Bedeutung. Meist handelt es sich dabei um Grabstätten, etwa von Gefährten Mohammeds, der Imame der Schia oder von Sufi-Heiligen. Führend in der Zahl heiliger Orte sind der pakistanische Sufismus und der nordafrikanische Volksislam mit unzähligen verehrten Grabstätten. 

 

Für Schiiten und Aleviten stellen außerdem die Städte Kerbela und Kufa heilige Orte dar, zu denen jedes Jahr gepilgert wird.

Rolle der Frau

Vor Gott, und so auch vor Allah, sind Mann und Frau gleich, da sie aus einer Seele erschaffen sind. So steht es im Koran geschrieben. Dennoch nimmt der Mann was die gesellschaftliche und rechtliche Stellung angeht eine vorrangige Position ein. Die Frau soll dem Mann gehorsam sein, der wegen seiner körperlichen Kraft und seines Vermögens als überlegen gilt.

  • der Mann ist für Unterhalt und Schutz der Familie zuständig

Aufgaben der Frau

  • Führen des Haushalts
  • Großziehen der Kinder (sie ist in ihrer Rolle als Mutter hoch geachtet)
  • Trägerin der Familienehre

Rechte der Frau

  • Recht, das ganze Leben lang versorgt zu sein
  • Besitz von Gütern
  • Ausübung eines Berufes

 

Um zu gewährleisten das alle Frauen der Gesellschaft versorgt sind, wurde die Polygamie eingeführt. Ein Mann durfte so bis zu 4 Frauen ehelichen.

 

Das Tragen des Schleiers war zunächst nur ein Privileg (nur ehrbare Frauen durften im Alten Orient einen Schleier tragen) und ist keinesfalls im Koran geregelt. Es wird heute von vielen Frauen zum Schutz und als Zeichen der Ehre getragen.

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